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Infos: Hepatitis C

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Hepatitis C
HCV-Infektion

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Erreger:
Hepatitis-C-Virus (HCV) mit sechs Genotypen und zahlreichen Subtypen

Epidemiologie:
Weltweit sind etwa 130 – 150 Millionen Menschen chronisch Hepatitis-C-infiziert, in Europa etwa 3– 5 Millionen. Für Deutschland rechnet man mit ca. 200.000 – 300.000 chronisch Infizierten, pro Jahr infizieren sich mehrere tausend Menschen. Besonders hoch ist die Prävalenz bei intravenös Drogen Gebrauchenden: Bis zu 90 % der langjährigen Konsument_innen sind infiziert, wobei es meist schon in den ersten Jahren des Konsums zur Ansteckung kommt.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Ca. 10 – 15 % aller HIV-Positiven in Deutschland sind auch mit Hepatitis C infiziert, also etwa 9.000 bis 13.000 Personen.

Meldepflicht:
Für Hepatitis C besteht bereits bei Verdacht auf eine Infektion die Pflicht zur namentlichen Meldung an das Gesundheitsamt.

Übertragung:
HCV wird vor allem durch Blut-Blut-Kontakte übertragen, und zwar wesentlich leichter als HIV; vollständig geklärt sind die Übertragungswege allerdings nicht. In Europa sind die meisten Infektionen auf den Drogenkonsum zurückzuführen, vor allem auf den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen, Nadeln und Zubehör bzw. von Röhrchen (zum Sniefen). Auch beim Tätowieren und Piercen sowie bei gemeinsamer Benutzung oder Verwechslung von Rasierern (und wahrscheinlich auch von Nagelscheren und Zahnbürsten) kann es zu Infektionen kommen. Ein Risiko besteht ebenfalls bei Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen unter mangelhaften hygienischen Bedingungen in Hepatitis-C-Hochprävalenzländern.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Das Risiko einer Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft oder unter der Geburt liegt in Deutschland bei unter 5%, steigt aber bei zusätzlicher HIV-Infektion auf bis zu 20% (abhängig vom Immunstatus der Mutter).

Beim Sex ist eine Ansteckung möglich, aber auch bei Vaginal- oder Analverkehr ohne Kondom/Femidom sehr selten. Grundsätzlich ist das Risiko erhöht, wenn Blut im Spiel ist, etwa bei verletzungsträchtigen Sexpraktiken oder bei blutigen Entzündungen im Enddarm. HCV-haltiges Darmsekret kann auch von einer aufnehmenden Person auf die nächste aufnehmende Person übertragen werden: mit dem Penis oder einem Dildo (auch bei Benutzung eines Kondoms) oder mit der Hand (auch bei Benutzung eines Handschuhs). Möglich ist eine Übertragung darüber hinaus über HCV-haltige Blutspuren in gemeinsam benutzten Gleitmitteltöpfen.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Die überwiegende Mehrzahl der in den letzten Jahren dokumentierten Fälle von wahrscheinlich sexuell übertragener Hepatitis C betrifft Menschen mit HIV - vor allem Männer, die Sex mit Männern haben.

Eine Ansteckungsgefahr besteht, solange HCV im Blut vorhanden ist; die Infektiosität kann bereits mehrere Wochen vor dem etwaigen Auftreten von Symptomen beginnen. Da ein großer Teil der Infektionen chronisch verläuft, sind viele infizierte Personen über Jahre ansteckend. Das Übertragungsrisiko ist aber von der Viruskonzentration im Blut abhängig, die oft über lange Zeiträume sehr niedrig ist.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: HIV-Infizierte mit einer Hepatitis C haben bei fortgeschrittener Immunschwäche eine größere HCV-Viruslast im Blut, weshalb von erhöhter Ansteckungsgefahr auszugehen ist.

Prävention:
Eine Vorbeugung gegen Hepatitis C ist derzeit weder durch eine Schutzimpfung noch durch die Gabe von Immunglobulinen (Antikörper von Menschen, die bereits eine Hepatitis durchgemacht haben) möglich. Ein sicher schützender Impfstoff ist auch in den nächsten Jahren eher nicht zu erwarten. Auch eine HCV-Post-Expositions-Prophylaxe (wie bei Hepatitis A, Hepatitis B oder HIV) gibt es nicht.
Beim Drogengebrauch schützt die alleinige Verwendung des eigenen, sterilen Spritzbestecks und Zubehörs (Löffel, Filter, Wasser), des eigenen Röhrchens (zum Sniefen und Inhalieren) sowie der eigenen Pfeife vor Hepatitis C.
Das Risiko einer sexuellen Übertragung wird durch Kondom-/Femidomgebrauch beim Anal- und Vaginalverkehr und durch Verwendung von Handschuhen beim Fisten weiter verringert (für jede neue Person ein neues Kondom bzw. neue Handschuhe). Sexspielzeug und andere Instrumente, die mit Blut in Kontakt kommen können, gründlich desinfizieren, Dildos für jede neue Person mit einem neuen Kondom versehen, Gleitmitteltöpfe nicht gemeinsam benutzen/für jede Person ihr eigenes Gleitmittel verwenden.

Inkubationszeit:
2 Wochen bis 6 Monate, in der Regel 6 - 9 Wochen

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Die akute Phase verläuft in mehr als drei Viertel der Fälle ohne ausgeprägte Beschwerden und wird daher meist nicht erkannt. Nur in 10 - 20 % der Fälle treten grippeähnliche Symptome ähnlich wie bei der Hepatitis B auf, in etwa 10 % ein Ikterus (Gelbfärbung der Augen und der Haut).
Bis zu 85 % der HCV-Infektionen nehmen einen chronischen Verlauf (d. h., die Virusvermehrung hält länger als sechs Monate nach der Ansteckung an), die anderen heilen innerhalb von sechs Monaten aus. Auch eine chronische Hepatitis C kann später spontan ausheilen. Eine ausgeheilte Hepatitis C verleiht aber keinen Schutz vor erneuter Ansteckung!
Die meisten chronischen Infektionen verlaufen über Jahre bis Jahrzehnte symptomlos oder symptomarm (mit Müdigkeit, Oberbauchbeschwerden, Abgeschlagenheit sowie wiederkehrenden, vorübergehenden Erhöhungen der Leberwerte).
Bei etwa einem Drittel der chronischen HCV-Infektionen kommt es zu einem aggressiven Verlauf mit bindegewebigem Umbau der Leber (Fibrose) und bei etwa 20 % der Infizierten nach Jahren oder Jahrzehnten zu einer Leberzirrhose mit zunehmendem Verlust der Leberfunktion. Patienten_innen mit einer durch HCV verursachten Zirrhose haben ein höheres Leberkrebsrisiko.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei HIV-Positiven mit Immunschwäche verläuft die chronische Hepatitis C in der Regel rascher, und es kommt häufiger zu einem Leberversagen.

Diagnose:
Eine HCV-Infektion wird in der Regel durch die Kombination des Nachweises von Antikörpern gegen das Virus (Anti-HCV) sowie von HCV-Virus bestandteilen im Blut festgestellt. Die Antikörper sind meist etwa einen bis drei Monate (in Einzelfällen allerdings auch erst sechs bis zwölf Monate) nach der Infektion und dann über Jahre und Jahrzehnte nachweisbar. Die HCV-Virusbestandteile können dagegen oft schon nach zwei Wochen nachgewiesen werden.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids:Bei einem Immundefekt, z. B. infolge der HIV-Infektion, kann es zu einem Verlust von Anti-HCV kommen, weshalb in diesem Fall auch bei negativem Antikörpertest eine HCV-RNA-Bestimmung sinnvoll sein kann.

Therapie:
Bis 2014 wurden zur Behandlung der Hepatitis C Interferone eingesetzt, aufgrund der Nebenwirkungen und der schlechten Erfolgsraten konnten viele Patient_innen aber nicht behandelt bzw. geheilt werden.
Seit 2014 wurden mehrere neue Medikamente zugelassen, die direkt gegen das Hepatitis-C-Virus gerichtet sind. Die Infektion kann nun in deutlich über 90 % der Fälle relativ nebenwirkungsarm meist innerhalb von 12 Wochen geheilt werden.
Die beste Wirkstoffkombination und die Therapiedauer werden anhand des Genotyps, des Grads der Leberfibrose und gegebenenfalls anhand früherer Hepatitis-C-Therapien bestimmt.
Patient_innen ohne oder nur mit leichter Leberfibrose können mit den direkt wirkenden antiviralen Medikamenten meist ohne Zugabe von Ribavirin über 12 Wochen behandelt werden, in manchen Fällen sogar nur in acht Wochen.
Bei fortgeschrittener Leberfibrose oder bei Leberzirrhose bzw. bei bereits vorbehandelten Patient_innen kann die Therapiedauer 24 Wochen betragen, zudem ist häufiger eine Kombination mit Ribavirin erforderlich. Bei fortgeschrittener Fibrose oder Zirrhose ist die Heilungschance etwas geringer und die Komplikationsrate höher.
Eine erfolgreiche Behandlung verleiht keine Immunität, d. h., man kann sich erneut anstecken.

sonstige Maßnahmen:
Wie bei anderen Leberentzündungen auch sind bei Hepatitis C eine gesunde Ernährung und das Meiden von leberschädigenden Substanzen (z. B. Alkohol und verzichtbare Medikamente) wichtig.
Personen, die in einem Haushalt mit HCV-Träger_innen leben, sie pflegen oder betreuen, sowie ihre Partner_innen sollten die gemeinsame Benutzung von Rasierern, Nagelscheren oder Zahnbürsten meiden.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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