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Infos: HIV & Aids

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PEP: Ablauf

PEP steht für Postexpositionsprophylaxe. Dabei handelt es sich um eine Infektionsvorbeugung nach einer möglichen Ansteckung. Diese ist möglich nach einem tatsächlichen Risikokontakt. Die PEP sollte im Idealfall innerhalb von zwei Stunden nach einer möglichen Infektion begonnen werden.
Eine PEP ist bei normalem Schutzverhalten (Safer Sex, Safer Use, Tragen von Schutzhandschuhen, ...) nicht notwendig!
Die PEP ist kein Mittel der Prävention!

Welche Schritte sollten nach einer möglichen Infektion erfolgen?

1. Sofortmaßnahmen

Sperma/Blut an Penis oder Vagina

  • Penis unter fließendem Wasser mit Seife waschen. Dabei die Vorhaut zurückziehen und die Eichel und Innenseite der Vorhaut vorsichtig waschen (nicht schrubben).
  • Eine Scheiden- oder Darmspülung nach einer Exposition bei aufnehmendem Geschlechtsverkehr wird nicht empfohlen, da unklar ist, ob dieser Vorgang einen positiven oder einen negativen Effekt auf die HIV-Übertragung hat.

Samenflüssigkeit im Mund

  • Mund vier- bis fünfmal ca. 15 Sekunden lang gründlich mit Wasser ausspülen. Im Gegensatz zu früher wird Alkohol für die Desinfektion heute nicht mehr empfohlen.
  • Wenn das aufgenommen Sperma schon im hinteren Rachen ist, sollte man es eher schlucken. Dadurch wird verhindert, dass es die empfindlichen Schleimhäute ein zweites Mal passiert. Allerdings gibt es zu dieser Empfehlung keine Studiendaten.

Sperma im Auge

  • Sperma im Auge sollte sofort mit Wasser (zur Kopfaußenseite hin) ausgespült werden.

2. Risikoabschätzung

Wer befürchtet, sich mit HIV infiziert zu haben, sollte umgehend eine Arztpraxis oder Krankenhaus (siehe unten) aufsuchen. Wenn eine medikamentöse PEP ansteht, ist es wichtig, möglichst rasch nach der Exposition damit zu beginnen.
Durch einen Risikocheck wird abgeklärt, ob tatsächlich ein Risiko vorlag. Siehe dazu Empfehlungen für oder gegen eine PEP.
Der/die Patient/in kann den Arzt dabei unterstützen, indem er/sie Antworten auf wichtige Fragen vorbereitet:
- Wann hat der Kontakt mit HIV stattgefunden?
- Ist bekannt, ob der/die Sexpartner/in tatsächlich HIV-positiv war?
- Wenn ja: Wird der/die Sexpartner/in mit antiretroviralen Medikamenten behandelt? Wenn ja: mit welchen? Sind Resistenzen bekannt?
- Falls bekannt: Wie hoch ist die aktuelle Viruslast des/der Sexpartner/in?
- Welche anderen Schutzmaßnahmen wurden bisher ergriffen?
Patienten können den Arztbesuch mit Antworten auf diese Fragen vorbereiten.
Eine PEP kann und sollte bei Vorliegen einer entsprechenden Risikosituation aller-dings auch dann begonnen werden, wenn nicht alle Informationen zur Verfügung stehen!

3. Diagnostik

Bevor mit einer PEP begonnen wird, muss ein HIV-(Schnell-)Test durchgeführt werden, um eine bereits bestehende HIV-Infektion auszu-schließen*.
Neben dem HIV-Test empfehlen die Leitlinien weitere Laboruntersuchungen, je nach Risikosituation. Menschen mit der Möglichkeit einer sexuell erworbenen HIV-Infektion waren oft auch dem Risiko anderer sexuell übertragbarer Infektionen ausgesetzt. Menschen mit einem HIV-Risiko aufgrund intravenösen Drogenkonsums haben hingegen ein erhöhtes Risiko einer Hepatitis(B/C)-Infektion.
Aus diesen Gründen empfehlen die Leitlinien Laboruntersuchungen auf Hepatitis-B- und Hepatitis-C-Antikörper und gegebenenfalls auch auf andere STIs. Weitere Laboruntersuchungen: allgemeines Blutbild, Transaminasen, Kreatin/Harnstoff, Blutzucker und Erfassung der regelmäßig eingenommenen Medikamen-te, um Wechselwirkungen mit der antiretroviralen Therapie auszuschließen.

* Sollte der/die Klient/in bereits HIV-positiv sein, würde keine PEP durchgeführt werden. Arzt/in und Patient/in besprechen dann nach den gängigen Therapieleitlinien, ob, wann und wie mit einer antiretroviralen Therapie begonnen werden soll.

4. So schnell wie möglich beginnen

Kommen Arzt/in und Patient/in zu dem Schluss, dass ein relevantes Risiko vorlag, sollte möglichst schnell mit einer medikamentösen PEP begonnen werden, damit sich das Virus erst gar nicht in Köperzellen einschleust, die später - therapeutisch - nicht mehr erreicht werden können.
Über den Zeitpunkt, wie lange nach der Exposition die PEP noch sinnvoll ist, streiten die Expert/innen. Mit der PEP sollte innerhalb der ersten 24 Stunden begonnen werden, „noch besser wäre innerhalb der ersten beiden Stunden“, so die Leitlinien. Nach 72 Stunden sei nicht mehr damit zu rechnen, dass die PEP wirksam ist. (Leider gibt es nur unzureichende Studiendaten zu der Frage, bis wann die PEP noch funktioniert.)
Das Resümee bei all den unterschiedlichen Zeitangaben: Die PEP wirkt je früher, desto besser.

Dauer der PEP
Die PEP sollte 28-30 Tage lang durchgeführt werden. Wenn eine sehr große Menge an virushaltiger Flüssigkeit in den Körper gelangt ist, kann gegebenenfalls auch eine längere Behandlungsdauer sinnvoll sein. Das Gleiche gilt, wenn zwischen Exposition und PEP-Beginn mehr als 36-48 Stunden vergangen sind. Diese Sonderfälle sollten mit einem/r HIV-Expert/in besprochen werden.

Kein HIV-Arzt vor Ort?
Mitunter wird die PEP, vor allem in den Notfallambulanzen der Kliniken, von Ärzt/innen verschrieben, die wenig Erfahrung damit haben. Wenn Unklarheiten über die Entscheidung für oder gegen eine PEP auftreten, könnte mit der PEP erst einmal begonnen werden. Dann sollte am folgenden Werktag ein/e HIV-erfahrene/r Ärzt/int mit dem/der Patient/in das weitere Vorgehen festlegen.

5. Nachgelagerte Blutuntersuchung

Um den Erfolg der PEP und mögliche andere STIs zu identifizieren, wird nach zwei und sechs Wochen sowie nach drei und sechs Monaten das Blut untersucht.
Um Nebenwirkungen der Therapie zu erkennen, empfehlen die Leitlinien zudem, zwei Wochen nach PEP-Beginn das Blutbild und Transaminasen, Bilirubin, γ-GT, Kreatinin, Urinstatus und -sediment sowie den Blutzucker zu kontrollieren.

 

Wirksamkeit der PEP
Die Daten zur Wirksamkeit der PEP stammen vor allem aus Tierexperimenten, Erfahrungen mit der PEP nach beruflicher Exposition, Einzelfallberichten und Analogieschlüssen aus der reichen Erfahrung mit der antiretroviralen Therapie bei der Behandlung von HIV-Infektionen.

Nebenwirkungen der PEP
In der Vergangenheit traten bei der PEP bei einem Großteil der Behandelten in den ersten zwei Wochen der Einnahme akute Nebenwirkungen auf, meist Reaktionen des Magen-Darm-Trakts, Übelkeit, Durchfall oder Abgeschlagenheit. In der Regel nahmen die Nebenwirkungen über die Wochen ab oder klangen nach dem Ende der Therapie wieder ab.

Kostenübernahme
Wenn eine sichere oder sehr wahrscheinliche HIV-Exposition vorliegt, ist die PEP im Sinne einer Frühtherapie zur Verhinderung einer manifesten Infektion erstattungspflichtig. Die PEP stellt jedoch eine Einzelfallentscheidung im Rahmen der Sekundärprävention dar.
In diesem Sinne ist, so die Leitlinie, „der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin […] gehalten, zu prüfen, ob solch ein Einzelfall (also eine Situation, in der das Risiko für eine HIV-Transmission hoch ist) vorliegt oder nicht“.

Die Informationen stammen auf dem HIV.report 2013/4 zu den neuen PEP-Richtlinien.

Die Möglichkeit einer PEP sollte niemanden veranlassen, den eigenen Schutz vor einer HIV-Infektion zu vernachlässigen! Eine PEP bietet keine Sicherheit vor einer Infektion! Eine PEP bietet nur die Chance, nach einer möglichen Infektion das Risiko zu minimieren.

Um eine flächendeckende PEP zu gewährleisten, gibt es verschiedene HIV-PEP-Notfalldepots. Die für die Hansestadt und den Landkreis Rostock und den Landkreis Mecklenburgische Seenplatte sind

Güstrow:
KMG Klinikum Güstrow
Notaufnahme
F.-Trendelenburg-Allee 1
18273 Güstrow
Tel.: 03843 / 34 25 00
 
Neubrandenburg:
Dietrich Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg
Notfallambulanz
S.-Allende-Str. 30
17036 Neubrandenburg
Tel.: 0395 / 775 26 00
 
Rostock:
Universitätsmedizin Rostock
Klinik für Innere Medizin
Ernst-Heydemann-Straße 6
18057 Rostock
Tel.: 0381 / 494 74 50

 

 

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