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Infos: HIV & Aids

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HIV-Therapie

Zur Therapie der HIV-Erkrankung stehen derzeit mehr als 20 Substanzen zur Verfügung, die das Eindringen des Virus in seine Zielzellen verhindern oder die für den HIV-Vermehrungszyklus wichtigen Enzyme hemmen. Ziel der antiretroviralen Therapie (ART, auch hoch aktive ART = HAART genannt) ist es, das Voranschreiten der Erkrankung aufzuhalten, dem Immunsystem Gelegenheit zur Erholung zu geben und das Auftreten eines schweren Immundefekts zu verhindern. Aus dem Körper entfernen lässt sich das Virus allerdings nicht, die Behandlung muss wahrscheinlich lebenslang fortgeführt werden.

Nach den derzeit gültigen Therapieleitlinien sollte so früh wie möglich mit der Therapie begonnen werden - möglichst, bevor die Zahl der CD4-Helferzellen unter 500/μl fällt. Ein Therapiestart bei unter 350 Helferzellen/μl gilt als spät, ein Start bei unter 200 Helferzellen als sehr spät – das Risiko für aidsdefinierende Erkrankungen ist dann stark erhöht.

Um eine möglichst vollständige Hemmung der Virusvermehrung zu erreichen, d. h. eine Absenkung der Viruslast unter die derzeitige Nachweisgrenze von 20 – 40 Viruskopien pro ml Blutserum, werden verschiedene antiretrovirale Mittel miteinander kombiniert ("Kombinationstherapie"). Dadurch verringert
sich auch die Gefahr, dass das Virus gegen eine oder mehrere der eingesetzten Substanzen resistent wird. Der ersten Medikamentenkombination kommt hier ein hoher Stellenwert zu: Je schneller die Viruslast nach Therapiebeginn unter die Nachweisgrenze sinkt, desto wahrscheinlicher ist es, dass die eingesetzte Kombination anhaltend erfolgreich ist. Die Betreuung von HIVPatient_innen sollte von Anfang an durch spezialisierte Schwerpunktpraxen oder Klinikambulanzen erfolgen. Vor Beginn einer ART sollte ein Resistenztest durchgeführt werden, um keine Medikamente einzusetzen, gegen die das Virus bereits unempfindlich ist (Virusvarianten, die gegen eine oder mehrere Substanzgruppen von HIV-Medikamenten Resistenzen aufweisen, liegen bei etwa 10 % der neu diagnostizierten Infektionen in Deutschland vor).

Zu Beginn einer Therapie treten häufig vorübergehend akute Nebenwirkungen wie Durchfall oder Übelkeit, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen oder Hautausschläge auf. In einigen Fällen kommt es zu problematischen unerwünschten Wirkungen wie schweren allergischen Reaktionen, einer akuten Leberentzündung oder Überempfindlichkeitsreaktionen, sodass die Medikamentenkombination geändert werden muss. Das ist auch deshalb wichtig, um die für die langfristige Wirksamkeit der Therapie erforderliche hohe "Therapietreue" (Compliance oder Adherence) zu ermöglichen: Damit die antiretroviralen Substanzen permanent in ausreichender Konzentration im Blut vorhanden sind (= den erforderlichen Wirkstoffspiegel erreichen) und sich keine Resistenzen entwickeln, müssen die Medikamente regelmäßig und unter Befolgung der Einnahmevorschriften eingenommen werden.

Langzeitnebenwirkungen betreffen vor allem den Fettstoffwechsel, die Fettgewebsverteilung, den Kohlenhydratstoffwechsel, die Nerven in Armen und Beinen sowie die Funktion der Leber und der für die Energiegewinnung der Zellen wichtigen Mitochondrien.

Ausführliche Informationen bietet die DAH-Broschüre "hiv-infektion und therapie". Die Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion finden sich auf den Internetseiten der Deutschen AIDS-Gesellschaft.

Die Informationen dieser Seite entstammen zum großen Teil der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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