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Infos: HIV & Aids

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Symptome / Verlauf / Auswirkungen

Der Verlauf einer (unbehandelten) HIV-Infektion ist von Mensch zu Mensch verschieden; wichtige Faktoren sind z. B. die Virulenz des Erregers, die genetische Ausstattung der infizierten Person oder das Alter zum Zeitpunkt der Infektion.

Kurz nach der Ansteckung vermehrt sich das Virus vorübergehend sehr stark, und zwar vor allem in den CD4-Rezeptor-tragenden Helferzellen, die eine wichtige Rolle bei der Steuerung des Immunsystems spielen. Insbesondere die Immunzellen der Darmschleimhaut (etwa 60% aller Helferzellen / Lymphozyten befinden sich im lymphatischen Gewebe des Magen-Darm-Trakts) werden stark dezimiert; dabei gehen vor allem diejenigen Zellen zugrunde, die das immunologische Gedächtnis darstellen (Gedächtniszellen). Der Schaden, den HIV dem Immunsystem im Darm in den ersten Tagen der Infektion zufügt, ist auch durch eine antiretrovirale Therapie nicht mehr zu beheben.

Im Blut wird die maximale Viruslast durchschnittlich zweieinhalb Wochen und im Sperma einen Monat nach der Infektion erreicht. Durch die hohe Virusmenge im Blut, im Sperma und in den Genital- und Rektalschleimhäuten ist in dieser Phase die Ansteckungsgefahr für andere besonders hoch.

Wenn die Viruslast im Blut ansteigt, treten in der Mehrzahl der Fälle unspezifische Krankheitszeichen auf (sog. Primärinfekt, z. B. Fieber, Abgeschlagenheit, Müdigkeit oder Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Kopf- und Gelenkschmerzen, starker Nachtschweiß, Lymphknotenschwellungen, Hautausschlag, Durchfall, schmerzhafte Schluckbeschwerden oder Geschwüre im Mund). Diese Symptome klingen in der Regel nach sieben bis zehn Tagen wieder ab und werden oft mit Krankheitszeichen etwa eines grippalen Infekts, einer EBV-Infektion oder einer Reise-Erkrankung verwechselt.

Bei allen Infizierten kommt es zu einer immunologischen Abwehrreaktion, in deren Rahmen auch Antikörper gegen HIV gebildet werden. Diese lassen sich in der Regel drei bis sechs Wochen nach der Ansteckung nachweisen (HIV-Test).

An die akute Infektion schließt sich ein symptomfreies oder symptomarmes Stadium an, das Monate bis viele Jahre dauern kann. Das Virus vermehrt sich aber weiter und schädigt Immunsystem und innere Organe (z.B. die Niere). Die Zahl der Helferzellen und ihre Funktionsfähigkeit nimmt mit fortschreitender HIV-Erkrankung immer weiter ab.

Symptome der HIV-Infektion zeigen sich zunächst meist als unspezifische Störungen des Allgemeinbefindens, als Veränderungen an Haut und Schleimhäuten, als Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Durchfall), lang anhaltende Lymphknotenschwellungen in mehreren Körperregionen, Fieberschübe, Nachtschweiß und als erhöhte Anfälligkeit für Infekte bzw. längere Rekonvaleszenzdauer. An eine solche Phase mit deutlichen klinischen Symptomen kann sich eine Phase völliger oder weitgehender Beschwerdefreiheit anschließen. Andererseits können auch aus scheinbar völliger Gesundheit heraus Komplikationen auftreten.

Ist das Immunsystem durch HIV so stark geschädigt, dass lebensbedrohliche opportunistische Infektionen oder Tumoren auftreten, spricht man von Aids. Zu den häufigsten opportunistischen Infektionen gehören die Pneumocystis-Pneumonie (eine durch den Erreger Pneumocystis jirovecii hervorgerufene Lungenentzündung, kurz "PCP"), eine Candidose der Speiseröhre, durch Toxoplasmen verursachte Abszesse im Gehirn und Reaktivierungen von bereits abgelaufenen Zytomegalievirus-Infektionen an Auge, Lunge oder Darm; auch Reaktivierungen von Tuberkulosen sind nicht selten. Die häufigsten Tumoren im Zusammenhang mit Aids sind das Kaposi-Sarkom, das nicht nur an der Haut auftritt, sondern häufig auch den Magen-Darm-Trakt, das lymphatische System und die Lungen befällt, ein auf eine HPV-Infektion zurückgehendes Zervix- oder Analkarzinom sowie sog. Non-Hodgkin-Lymphome, die meist in Lymphknoten, aber auch im Magen-Darm-Trakt, im Knochenmark, in der Leber, im Gehirn oder in anderen Körperregionen bzw. Organen auftreten. Auch Viren wie das Herpes-simplex-Virus (Herpes) führen häufiger zu schweren Erkrankungsverläufen.

Die Informationen dieser Seite entstammen zum großen Teil der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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