Home > Infos > STIs > Chlamydien

 

Infos: STIs

HIV & Aids . STIs . Hepatitis . Zahlen & Statistiken
: Erreger : Risiken : Amöbiasis : Candidose : Chlamydien : Donovanosis : EBV-Infektion : Filzläuse : Giardiasis : Gonorrhö : Herpes : HPV : Lymphogranuloma venerum : Madenwürmer : Mykoplasmen : Scabies : Shigellose : Syphilis : Trichomoniasis : Ulcus Molle : Urethritis : Vaginose :

Chlamydien-Infektion
Chlamydiose; hier: Infektion mit Chlamydia trachomatis, Untergruppen (Serotypen) D - K; die Serotypen L1 - L3 sind die Erreger des Lymphogranuloma venereum (LGV) und werden dort beschrieben.

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Screening
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Das Wichtigste in Kürze:
Infektionen mit Chlamydia trachomatis der Serotypen D - K gehören zusammen mit HPV-Infektionen, Gonorrhö und Trichomoniasis zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen in Deutschland.
Die Bakterien führen vor allem zu Entzündungen der Harnröhre, des Genitaltrakts und des Enddarms.
Die Infektion verläuft meist symptomlos oder symptomarm, und Abstriche aus dem Rektum oder Rachen werden in der Praxis nur selten vorgenommen. Viele Infektionen werden daher übersehen.
Unerkannte oder unzureichend therapierte genitale Chlamydien-Infektionen können bei Frauen zu Unterleibsentzündungen und nachfolgender Unfruchtbarkeit führen. Bei Schwangeren sind Frühgeburten und die Übertragung der Erreger auf die Neugeborenen möglich.
Kondome/Femidome beim Vaginal- und Analverkehr reduzieren das Risiko einer Infektion.
Die Chlamydien-Infektion ist mit Antibiotika gut therapierbar.

Erreger:
Chlamydien sind intrazellulär (in den Zellen der infizierten Person) lebende und sich vermehrende Bakterien.

Chlamydia trachomatis,
Einschlusskörperchen
Foto: Wikipedia

Epidemiologie:
Chlamydia trachomatis (Serotyp D-K) ist weit verbreitet. Betroffen sind v. a. junge Frauen und Männer unter 25 Jahren, danach nimmt die Häufigkeit ab. Je nach Altersgruppe, Geschlecht, Region und sozialem Status sind bis zu zehn Prozent der Population (z. B. 15- bis 17-jährige Mädchen in Berliner Schulen oder junge Frauen bis 24) mit Chlamydien infiziert. Besonders betroffen sind junge Menschen sowie schwule Männer und andere MSM. Bei Frauen sind Chlamydien nach den Trichomonaden (Trichomoniasis) die zweithäufigsten Erreger von Ausflusserkrankungen und kommen häufiger vor als Gonokokken (Gonorrhö). Seit Ende der 1990er Jahre ist die Zahl der Infektionen sowohl in Nordamerika als auch in Nordeuropa (Großbritannien und nordische Länder) gestiegen. Für Deutschland gibt es mangels Meldepflicht keine belastbaren Daten; in der 2010 vom RKI durchgeführten PARIS-Studie waren 9% der untersuchten MSM oral, genital und/oder rektal mit Chlamydien infiziert.

Meldepflicht:
Ausschließlich in Sachsen besteht eine Labormeldepflicht.

Übertragung:
Chlamydien finden sich in den Schleimhäuten von Rachen, Harnröhre, Scheide und Enddarm, außerdem in Vaginalsekret und Sperma und in geringer Konzentration auch in Urin und im "Lusttropfen". Eine Infektion ist bei allen sexuellen Praktiken möglich, bei denen es zu direktem Kontakt mit infektiösen Schleimhäuten und Flüssigkeiten kommt, ebenso bei der Geburt. Hauptübertragungsweg ist ungeschützter Vaginal- oder Analverkehr. Bei Übertragung durch Oralverkehr können Chlamydien auch den Rachen besiedeln, lösen dort allerdings keine Erkrankung aus und verschwinden in der Regel nach einigen Wochen wieder.

Prävention:
Kondome/Femidome beim Vaginal- und Analverkehr reduzieren das Risiko einer Übertragung erheblich. Auch Untersuchung und Therapie sind wichtig – das gilt insbesondere für jüngere Erwachsene (vor allem jüngere Frauen), Schwangere, schwule Männer und andere MSM sowie Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartner_innen.

Inkubationszeit:
1-3 Wochen

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Die Infektion verläuft im Rachen fast immer und im Rektum in über 80% der Fälle ohne Symptome. In der Harnröhre bzw. genital haben etwa 70% der Frauen und 50% der Männer nach einer Infektion mit Chlamydia trachomatis nur geringfügige oder gar keine Beschwerden.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei gleichzeitiger HIV-Infektion ist gerade der Teil des Immunsystems geschwächt, der für die Beseitigung infizierter Körperzellen zuständig ist. Daher verlaufen Chlamydien-Infektionen bei Menschen mit unbehandelter HIV-Infektion meistens schwerer.

Frauen
Bei Frauen ist am häufigsten das einschichtige Epithel des Muttermundes infiziert, nicht das Plattenepithel der Scheide. Symptome sind teils wässriger, teils eitriger Ausfluss aus der Scheide sowie Juckreiz und Brennen während des Wasserlassens. Bei 40% der infizierten Frauen führt eine Infektion zu Entzündungen von Gebärmutter und Eileiter. Gelangen die Chlamydien über die Eileiter in die Bauchhöhle (aufsteigende Infektion), können sie eine Entzündung im kleinen Becken verursachen (pelvic inflammatory disease); Zeichen dafür sind Fieber, starke Regelblutungen oder Zwischenblutungen. Mögliche Folgen einer Verklebung der Eileiter infolge einer durch Chlamydien verursachten Entzündung sind Bauchhöhlenschwangerschaften und/oder Unfruchtbarkeit.
Durch Schmierinfektionen (aufgrund der Nähe von Scheide und Anus) oder aufnehmenden Analverkehr kommt es manchmal auch zu einer Entzündung des Enddarms. Solche Infektionen verlaufen in über 80% der Fälle symptomlos oder symptomarm, können aber auch zu schleimig-eitrigem Ausfluss, Schmerzen, Juckreiz, durchfallähnlichen Beschwerden oder einem Analekzem (entzündlicher Ausschlag) führen.
Bei Schwangeren kann eine Chlamydien-Infektion zu einer Frühgeburt und/oder zu einer Bindehaut- oder Lungenentzündung beim Neugeborenen führen.

Männer
Kommt es bei einer genitalen Infektion zu Beschwerden, so fließt eine meist eher klare als eitrige Flüssigkeit aus der Harnröhre. Zusätzlich treten beim Wasserlassen ziehende Schmerzen mit Jucken und Brennen auf. Fieber und Schmerzen in Hoden oder Unterbauch können auch beim Mann ein Anzeichen für das Aufsteigen von Bakterien sein. Das kann zu Entzündungen von Prostata, Samenleiter und Nebenhoden mit der möglichen Folge von Unfruchtbarkeit führen. Eine Nebenhodenentzündung ist sehr schmerzhaft und geht mit einer starken, zunächst einseitigen Schwellung des Hodensacks einher.
Chlamydien-Infektionen des Enddarms durch aufnehmenden Analverkehr ohne Kondom oder durch Schmierinfektion, z. B. über gemeinsam benutztes Sexspielzeug oder gemeinsam benutzte Gleitmitteltöpfe, verlaufen in über 80 % der Fälle symptomlos oder symptomarm, daher sollte bei einem STI-Check auch ein Abstrich aus dem Anus erfolgen. Die Infektionen können aber auch zu schleimig-eitrigem Ausfluss, Schmerzen, Juckreiz, durchfallähnlichen Beschwerden oder einem Analekzem (entzündlicher Ausschlag) führen.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei unbehandelten HIV-Positiven mit einer durch Chlamydien hervorgerufenen Entzündung des Gebärmutterhalses, des Enddarms oder der Harnröhre ist das Risiko einer HIV-Übertragung auf andere erhöht: In die entzündete Schleimhaut wandern mit HIV infizierte Immunzellen ein, außerdem liegt HIV in höherer Konzentration in den entzündlichen Sekreten vor.
HIV-Negative mit einer Chlamydien-Infektion haben ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren, weil die in die Entzündungsgebiete einwandernden Immunzellen Zielzellen für HIV darstellen.

Diagnose:
Es gibt verschiedene Diagnosemöglichkeiten:

  • Nachweis von Erbsubstanz des Erregers mittels Nukleinsäurenachweis aus einem Abstrich oder aus dem Erststrahl-Urin; diese Methode gilt mittlerweile als "Goldstandard" in der Diagnostik.
  • Nachweis von Antigen (über Enzymimmunoassay, EIA) aus einem Abstrich aus dem Gebärmutterhals (Zervix).
  • Anlegen einer Kultur aus einem Abstrich aus Scheide/Gebärmutter, Harnröhre oder Enddarm, d. h., man lässt den Erreger auf geeigneten Nährböden wachsen; diese Methode ist allerdings fehleranfällig.
  • Nachweis von Antikörpern im Blut (serologischer Antikörpertest). Die Methode eignet sich als Schnelltest, die Aussagekraft ist aber beschränkt, da falsch negative Ergebnisse relativ häufig sind.

Verwechslungen sind möglich mit Gonorrhö, Mykoplasmen-Infektion und Lymphogranuloma venereum, einer Infektion mit Chlamydien der Serogruppen L1 - L3. Nur wenige Labore in Deutschland können zwischen den hier beschriebenen "gewöhnlichen" Chlamydien und denen der Serogruppen L1 - L3 unterscheiden (Adressen unter www.rki.de).

Screening:
Seit dem 01.01.2008 können sexuell aktive junge Frauen bis zum vollendeten 25. Lebensjahr ein jährliches, von der Krankenkasse erstattetes Chlamydienscreening in Anspruch nehmen, um Folgeschäden von nicht behandelten Infektionen vorzubeugen. Als Diagnostikmethode ist der Nachweis von Erbsubstanz aus Urin mittels PCR vorgeschrieben.
Die Deutsche AIDS-Hilfe empfiehlt auch sexuell aktiven schwulen Männern und anderen MSM, sich mindestens einmal im Jahr auf Chlamydien untersuchen zu lassen (Rektalabstrich, Pharyngealabstrich, Urinuntersuchung).

Therapie:
Eine Chlamydien-Infektion lässt sich mit Antibiotika gut behandeln. Empfohlen wird bei unkomplizierten genitalen Infektionen eine Behandlungsdauer von einer Woche. Bei komplizierten Infektionen (z. B. einer Entzündung des kleinen Beckens) muss länger behandelt werden.

sonstige Maßnahmen:
Wegen der hohen Ansteckungsgefahr sollte bis zum Therapieerfolg auf Sex verzichtet werden. Um einen "Pingpong-Effekt" zu vermeiden, sollten sich auch die Sexpartner_innen untersuchen und ggf. behandeln lassen.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

© Centrum für Sexuelle Gesundheit Rostock & Neubrandenburg 2018