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Gonorrhö
Tripper (niederdeutsch für "Tropfer"), "GO"

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Das Wichtigste in Kürze:
Die Gonorrhö ist eine der weltweit häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen, charakteristisch für sie ist eitriger Ausfluss.
Betroffen sein können alle beim Sex beteiligten sowie weitere Schleimhäute, z. B. der Harnröhre, des Enddarms, des Rachens und der Augen.
Im Rachen und Rektum verläuft eine Gonorrhö fast immer symptomlos. Genitale Infektionen dagegen führen bei knapp der Hälfte der Frauen und bei ca. 90% der Männer zu Symptomen.
In ca. 10-50% der Fälle liegt zusätzlich zur Gonorrhö eine Chlamydien-Infektion vor, bei Frauen ist auch eine gleichzeitige Trichomoniasis häufig.
Da immer häufiger Erreger auftreten, die gegen bestimmte Antibiotika resistent sind, wird die Behandlung zunehmend kompliziert.

Erreger:
Neisseria gonorrhoeae, auch Gonokokken genannt (Bakterien)

Neisseria gonorrhoeae
(Gram-Färbung)
Foto: Wikipedia

Epidemiologie:
Die Gonorrhö gehört zusammen mit Feigwarzen (HPV-Infektion), Chlamydien-Infektionen und Trichomoniasis zu den weltweit häufigsten sexuellübertragbaren Infektionen. Genaue Daten gibt für Deutschland es nicht, da Gonokokken-Infektionen mit Ausnahme von Sachsen nicht meldepflichtig sind, doch wird seit Mitte der 1990er Jahre eine Zunahme der Infektionszahlen beobachtet. Etwa ein Drittel der Infektionen entfällt auf MSM, ein weiteres Drittel auf Sexarbeiterinnen. In der 2010 vom RKI durchgeführten PARIS-Studie waren 8% der untersuchten MSM oral, genital und/oder rektal mit Gonokokken infiziert.

Meldepflicht:
Ausschließlich in Sachsen besteht eine Labormeldepflicht.

Übertragung:
Gonnorrhö ist ausgesprochen ansteckend: Statistisch wird die Infektion bei jedem zweiten Sexualkontakt mit einem/einer an Gonorrhö Erkrankten übertragen, und zwar nicht nur beim Anal- oder Vaginalverkehr, sondern auch beim Oralverkehr ("Blasen", Lecken), beim oral-analen Sex und anderen Kontakten mit dem Anus, über Finger und Hände (gegenseitiges Masturbieren, Fingerspiele) oder über Sexspielzeug. Selten kann es durch Verschleppung der Erreger auch zu einer Entzündung der Augenbindehaut kommen. Außerhalb der menschlichen Schleimhäute sind Gonokokken nicht lange lebensfähig; eine Ansteckung beispielsweise über den Toilettensitz ist daher nicht möglich, eine Ansteckung über (feuchte) Handtücher extrem unwahrscheinlich.

Prävention:
Kondome und Femidome beim Anal- und Vaginalverkehr verringern das Risiko einer Infektion mit Gonokokken erheblich. Für jeden Partner/jede Partnerin ein neues Kondom verwenden - das gilt auch bei der gemeinsamen Benutzung von Sexspielzeug. Da die Gonorrhö auch bei anderen Sexualpraktiken übertragen werden kann, sind bei der Sexarbeit auch beim Oralverkehr Kondome Standard.
Um bei vaginaler Entbindung zu verhindern, dass Gonokokken aus der Harnröhre oder dem Gebärmutterhals der Mutter die Augenbindehaut des Neu geborenen besiedeln und eine schwere Entzündung hervorrufen, kann man dem Neugeborenen antibiotisch wirkende Augentropfen geben (so genannte Credé-Prophylaxe).

Pipeline:
An Impfstoffen wird geforscht, derzeit ist jedoch noch kein erfolgreicher Kandidat in Sicht.

Inkubationszeit:
etwa 2 - 8 (meistens 3) Tage

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Jucken und Brennen sowie unterschiedlich starker Bildung von Eiter, der vor allem beim Befall der männlichen Harnröhre als zunächst milchig- trüber, dann cremig-gelblicher Ausfluss in Erscheinung tritt. Auch wenn der Ausfluss von alleine zurückgeht, kann die Infektion weiterhin ansteckend sein. Ohne Behandlung besteht sowohl bei Männern als auch bei Frauen die Gefahr, unfruchtbar zu werden.
Bei Infektion anderer Schleimhäute sind die Symptome oft unspezifisch und/oder werden nicht bemerkt:

  • Ein Befall des Rachens kann sich wie eine beginnende Erkältung äußern, allerdings verläuft die Infektion bei über 90 Prozent der Infizierten ohne nennenswerte Symptome. In der Regel verschwinden die Erreger nach spätestens 12 Wochen von selbst wieder.
  • Eine Infektion im Enddarm (Rektumgonorrhö/Gonokokkenproktitis) verläuft in 80-90% der Fälle ohne Symptome, sonst stehen Jucken und Brennen im Vordergrund; evtl. sind schleimig-eitrige Beimengungen im Stuhl zu beobachten. Möglich sind auch Schmerzen beim Analverkehr.
  • Selten sind die Augen betroffen (Blennorhoe), z. B. durch Verschleppung einer Infektion; es kommt dann zu einer Rötung der Bindehaut und einer Schwellung der Lider mit Eiterbildung - ohne Behandlung besteht Erblindungsgefahr.
  • Selten ist ein systemischer Verlauf (d. h., Gonokokken gelangen über das Blut durch den Körper) mit Fieber, Gelenkschmerzen, Herzklappenentzündung oder Pusteln an Händen und Füßen.

Frauen:
Wenn Beschwerden auftreten, sind dies meist Schmerzen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang aufgrund einer Entzündung der Harnblase und (mitunterübel riechender) Ausfluss, manchmal auch Schmierblutungen. Über Gebärmutterhals und Gebärmutter können Gonokokken in die Eileiter gelangen und dort zu narbigen Verklebungen und letztlich zu Unfruchtbarkeit führen. Auch eine weitere Ausbreitung der Infektion in die Bauchhöhle ist möglich. Manchmal kommt es zur schmerzhaften Entzündung der sog. Bartholinschen Drüsen (Bartholinitis), die sich an der Innenseite der kleinen Schamlippen befinden.
Aufgrund der anatomischen Nähe von Harnröhrenausgang und Enddarm tritt bei Frauen in ca. 50% auch eine Infektion des Endarms auf (über eine Schmierinfektion), während die Scheide selbst kaum betroffen ist.

Männer:
In der Harnröhre führen Gonokokken in den meisten Fällen nach ca. drei Tagen zu Symptomen (u. a. heftiges Brennen beim Wasserlassen, Ausfluss). Die Gonorrhö kann zwar von alleine abheilen, aber auch chronisch werden. Nach Abklingen der akuten Symptome bleibt bei chronischem Verlauf vom Ausfluss aus der Harnröhre ein morgendliches Tröpfchen zurück, der sog. Bonjour-Tropfen. Die Gonokokken können auch über die Harnröhre in die Prostata gelangen und dort zu einer Entzündung führen (Prostatitis); Zeichen sind dumpfe Schmerzen am Damm und in der Blasengegend, häufiger Harndrang, manchmal schmerzhafter Stuhlgang und Fieber. Wandern die Erreger von der Prostata in die Samenleiter weiter, können narbige Ver-klebungen und Zeugungsunfähigkeit die Folgen sein. Die Entzündung eines Nebenhodens (Epididymitis) führt zu einer massiven und schmerzhaften Schwellung des Hodensacks.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei unbehandelten HIV-Positiven mit einer durch Gonokokken hervorgerufenen Entzündung des Gebärmutterhalses, des Enddarms oder der Harnröhre ist das Risiko einer HIV-Übertragung auf andere erhöht: In die entzündete Schleimhaut wandern mit HIV infizierte Immunzellen ein, außerdem liegt HIV in höherer Konzentration in den entzündlichen Sekreten vor.
HIV-Negative mit einer Gonorrhö haben ein erhöhtes Risiko, sich mit HIV zu infizieren (vor allem bei rektaler Gonorrhö und aufnehmendem Analverkehr): Die Schleimhaut wird durch die Entzündung für HIV durchlässiger, und außerdem wandern in die Entzündungsgebiete Immunzellen ein, die Zielzellen für HIV darstellen.

Diagnose:
Die Diagnose erfolgt über einen Abstrich aus dem erkrankten Bereich (vor dem Abstrich aus der Harnröhre möglichst nicht urinieren) oder eine Urinprobe und einen Nukleinsäurenachweis. Möglich ist auch die Anzucht der Bakterien inklusive Bestimmung einer Antibiotikaresistenz, ebenso ein mikroskopischer Nachweis aus dem Abstrichmaterial. Schnelltests haben sich bisher nicht bewährt; da sie auch auf andere, nicht krank machende Bakterien reagieren, die auf den Schleimhäuten siedeln, können sie zu falsch positiven Befunden führen.

Therapie:
Eine Gonorrhö wird antibiotisch behandelt, wobei Infektionen von Enddarm, Prostata, Bauchhöhle (bei der Frau) und Nebenhoden längere Behandlungszeiten erfordern. Da immer häufiger Gonokokkenstämme auftreten, die gegen Antibiotika resistent sind, ist es wichtig, spätestens bei einem Versagen der Antibiotikatherapie eine Erregeranzucht mit Resistenztestung vorzunehmen.

sonstige Maßnahmen:
Bis zum Ende der antibiotischen Behandlung sollte auf sexuelle Kontakte verzichtet werden, um die Infektion nicht weiterzugeben. Um einen "Pingpong-Effekt" zu vermeiden, sollten sich auch die Sexpartner/innen untersuchen lassen - auch dann, wenn sie keine Symptome haben - und sich gegebenenfalls einer Behandlung unterziehen. Bei negativem Befund kann eine Kontrolluntersuchung sinnvoll sein, da es mitunter zu falsch negativen Ergebnissen kommt. Bei einer Infektion mit Gonokokken sollte auch eine Untersuchung auf andere STIs erwogen werden, z. B. auf Chlamydien, Syphilis oder HIV (längere Inkubationszeit von Syphilis und HIV beachten!).

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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