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Herpes
Herpes-simplex-Infektion, HSV-Infektion, "Fieberbläschen"

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie

Das Wichtigste in Kürze:
Die durch engen Kontakt, beim Sex, durch Tröpfchen- und Schmierinfektion sowie unter der Geburt über tragbaren Herpes-simplex-Viren führen vor allem an den Lippen sowie im Genital- und Analbereich zu Bläschen und Geschwüren (Ulzera).
Nach der Erstinfektion kann das Virus immer wieder reaktiviert werden, eine Entfernung aus dem Körper ist nicht möglich.
Eine Impfung gegen HSV-Infektionen gibt es nicht.

Erreger:
Herpes-simplex-Virus (HSV) befällt vor allem die Haut und Schleimhaut, das zentrale Nervensystem und die Augenhorn- und -bindehaut, bei schweren Verläufen auch das Gehirn bzw. die Hirnhaut und andere Organe (Lunge, Leber). Man unterscheidet Typ 1 (HSV-1), der häufig schon im Säuglings- und Kindesalter auftritt und bei Erwachsenen weit verbreitet ist, vom Typ 2 (HSV-2), der meist erst nach Aufnahme sexueller Beziehungen, manchmal aber auch unter der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen wird und dann lebensbedrohlich ist. HSV-1 gilt als Erreger von "Lippenherpes" (Herpes labialis), HSV-2 von "Genitalherpes" (Herpes genitalis), wobei allerdings bis zu 30 % der analen bzw. genitalen Herpes-Infektionen von HSV-1 verursacht werden und sich HSV-2 z. B. beim Oralsex auch auf Mund und Rachen ausbreiten kann. Häufig liegen auch beide Virustypen vor.

Herpes-simplex-Virus 1
Foto: Wikipedia

Epidemiologie:
In Deutschland sind etwa 90 % der erwachsenen Bevölkerung mit HSV- 1 und ca. 15 % mit HSV-2 infiziert. Herpes-Erstinfektionen an Lippen und Mund (meist HSV-1) erfolgen meist bereits in der Kindheit (Kuss, Tröpfcheninfektion, Schmierinfektion). Herpesinfektionen am Genital (meist HSV-2) treten eher als sexuell übertragene Infektion auf.

Meldepflicht:
nein

Übertragung:
Herpesviren werden vor allem über die hochinfektiöse Flüssigkeit aus den Bläschen übertragen, entweder durch direkten Kontakt (z. B. Küssen) oder durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion (Husten, Niesen, gemeinsames Benutzen eines Glases usw.). Eintrittspforten können kleine Verletzungen der Haut sowie die Schleimhäute von Mund, Genital, Darm oder Auge sein. Beim Vorliegen von Bläschen oder Geschwüren ist die Zahl der Viren und damit auch die Ansteckungsgefahr besonders hoch. Die Viren können aber auch über die Schleimhäute (z. B. in der Vagina oder im Mund) ausgeschieden werden, ohne dass Symptome sichtbar sind.
Beim Sex können HSV-1 und HSV-2 auch auf andere Regionen oder von Partner_in zu Partner_in übertragen werden, z. B. vom Mund auf die Genitalien oder den Anus, vom Penis auf den Mund-Rachen-Raum oder vom Anus einer Person über die Finger in den Anus einer anderen Person. Durch Schmierinfektion können die Viren außerdem in die Augen gelangen und dort zu einer Horn- und Bindehautentzündung führen.

Prävention:
Kondome/Femidome mindern das Risiko für einen genitalen Herpes nur sehr begrenzt, denn HSV wird sehr leicht auch beim Küssen, beim Oralverkehr oder durch Berührung übertragen; ihre Schutzwirkung ist höher, wenn der eindringende Vaginal-, Anal- oder Oralverkehr die einzige übertragungsrelevante Praktik darstellt. Die Bläschen oder Geschwüre sollten möglichst nicht berührt werden; ist das doch passiert, sollte man im Anschluss die Hände waschen.
Bei Herpes genitalis in den letzten Schwangerschaftswochen wird den Schwangeren ein Kaiserschnitt empfohlen, damit sich das Kind nicht im Geburtskanal infiziert - eine HSV-Infektion des Neugeborenen ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Auch auf einen Genitalherpes in der Vorgeschichte sollte der Arzt/die Ärztin unbedingt hingewiesen werden.

Pipeline:
Mehrere Impfstoffe gegen HSV-2-Infektionen sind in der klinischen Entwicklung.

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Die Erstinfektion kann völlig symptomlos verlaufen oder aber mit Fieber, Schüttelfrost und Lymphknotenschwellungen einhergehen. Typisch sind
kleine, gruppiert stehende Bläschen mit wässrigem Inhalt ("Fieberbläschen"), die nach wenigen Tagen in flache Geschwüre (Ulzera) übergehen - je nach Lokalisation als "Mundfäule" (meist bei Erstinfektion im Kleinkindalter mit Bläschen im Mund), Lippen- oder Genitalherpes oder an anderen Hautstellen (z. B. Schenkel, Gesäß, Naseneingang, Wangen, Ohrläppchen). Die Geschwüre heilen innerhalb von zwei bis drei Wochen ab. Danach "ruhen" die Viren lebenslang in bestimmten Nervenzellen (Ganglien), können aber bei geschwächtem Immunsystem bzw. durch bestimmte Auslöser (z. B. Infektionskrankheiten, starke Sonneneinstrahlung, Stress, Menstruation, Schwangerschaft, Verletzungen) immer wieder zu Beschwerden führen. Die ersten Anzeichen sind meist Brennen, Jucken, ein Spannungsgefühl oder gerötete Haut, bevor die typischen Bläschen erscheinen. Diese platzen nach wenigen Tagen auf und hinterlassen flache, schmerzhafte Geschwüre, die innerhalb von etwa zwei Wochen abheilen. Eine HSV-1-Infektion hinterlässt keine Immunität gegen HSV-2 und umgekehrt. Man kann sich also mit beiden Erregern infizieren.

  • Genitalherpes betrifft bei Frauen meist die großen und kleinen Schamlippen sowie den Gebärmutterhals, beim Mann die Eichel, die Vorhaut und den Penisschaft. Bei Frauen wie Männern kann auch der Analbereich betroffen sein. Mögliche Symptome sind Probleme beim Wasserlassen und blutiger Ausfluss aus dem After.
  • Greift eine Infektion aufs Auge über, kann es zur Entzündung und zu Vernarbungen der Hornhaut mit Verminderung der Sehkraft kommen.
  • Eine HSV-Infektion des Neugeborenen ist lebensbedrohlich, die Sterblichkeit ist hoch.
  • Herpes-simplex-Viren können zu einer gutartigen und von selbst ausheilenden Hirnhautentzündung (Herpes-simplex-Meningitis) mit Nackensteife, Kopfschmerzen und Lichtempfindlichkeit führen. In seltenen Fällen kann es auch zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung (Herpes-Enzephalitis) kommen, die sich in starken Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Krampfanfällen und Wesensveränderungen äußert.
  • Bei bereits geschädigter Haut (z. B. durch Neurodermitis) kann sich
    eine Herpes-Infektion über große Bereiche ausdehnen.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (z. B. infolge einer unbehandelten HIV-Infektion oder einer Chemotherapie) kommt es häufiger zum Wiederauftreten eines Herpes sowie zu ungewöhnlichen und schweren Verläufen, z. B. mit großflächigen Ekzemen, Gehirnhaut- oder Gehirn ent zündung oder einem Befall innerer Organe. Chronische Geschwüre, die länger als einen Monat bestehen, oder eine Bronchitis, Lungenentzündung oder Speiseröhrenentzündung infolge einer Herpes-simplex-Infektion sind eine Aids definierende Erkrankung.
Bei unbehandelten HIV-Positiven enthalten Herpesbläschen und -geschwüre an Penis, Vagina, Anus, im Darm oder am/im Mund große Mengen HIV. Die Ansteckungsgefahr für andere erhöht sich.
Die Schleimhaut von Scheide, Schamlippen, Eichel, Vorhaut, Darm und auch Mund verliert durch Herpesgeschwüre ihre Barrierefunktion gegen HIV. Außerdem wandern Lymphozyten und Langerhans-Zellen, die Zielzellen von HIV darstellen, in das Entzündungsgebiet ein. Dadurch erhöht sich das Risiko, sich beim Sex mit HIV zu infizieren.

Diagnose:
Die Diagnose der Herpesinfektion wird zumeist aufgrund des typischen klinischen Bildes gestellt (Blickdiagnose). Klarheit können auch die mikroskopische Untersuchung des Bläscheninhalts oder Blasenbodens oder ein Genomnachweis geben. Serologische Untersuchungen (Antikörperbestimmung im Blut) können bei speziellen medizinischen Fragestellungen eine Rolle spielen.

Therapie:
Bei gutem Immunstatus und eingegrenztem Befall kann eine Lokalbehandlung mit pflegenden oder austrocknenden Mitteln ausreichen. Virus hemmende Mittel (Virustatika) wie Aciclovir können den Krankheitsverlauf verkürzen und die Beschwerden mildern - wichtig ist, sie schon bei den ersten Anzeichen eines Ausbruchs anzuwenden. Bei schweren Verläufen werden Virustatika meist über sieben Tage systemisch (als Tablette oder intravenös) verabreicht. Bei häufigen Rezidiven besteht die Möglichkeit einer Dauerprophylaxe mit niedrig dosierten Herpes-Medikamenten.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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