Home > Infos > STIs > Lymphogranuloma venerum

 

Infos: STIs

HIV & Aids . STIs . Hepatitis . Zahlen & Statistiken
: Erreger : Risiken : Amöbiasis : Candidose : Chlamydien : Donovanosis : EBV-Infektion : Filzläuse : Giardiasis : Gonorrhö : Herpes : HPV : Lymphogranuloma venerum : Madenwürmer : Mykoplasmen : Scabies : Shigellose : Syphilis : Trichomoniasis : Ulcus Molle : Urethritis : Vaginose :

Lymphogranuloma venerum
Lymphogranuloma inguinale, Lymphopathia venerea, Morbus Nicolas-Durand- Favre, klimatischer Bubo, venerische Lymphknotenentzündung

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Das Wichtigste in Kürze:
Das Lymphogranuloma venereum (LGV) wird durch Chlamydien der Serotypen L1 - L3 hervorgerufen und ist nicht mit dem Granuloma inguinale/venereum (Donovanosis) oder einer "gewöhnlichen" Chlamydien-Infektion (mit Chlamydien anderer Serotypen) zu verwechseln.
Die vor allem in den Tropen und Subtropen verbreitete Krankheit ist in Europa eigentlich sehr selten, doch ist die Inzidenz in den letzten Jahren gestiegen (betroffen sind vor allem MSM).

Erreger:
Chlamydia trachomatis der Serotypen L1 - L3

Lymphogranuloma venerum

Epidemiologie:
LGV ist in Mitteleuropa selten, in den Tropen und Subtropen jedoch häufig. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die in diesen Gegenden Sex mit Einheimischen haben (z. B. Seemänner, Touristen), Sexarbeiter/innen und (insbesondere HIV-positive) schwule Männer und andere MSM. In den letzten Jahren ist die Inzidenz in Europa gestiegen. Die Mehrzahl der Fälle tritt bei MSM auf, von denen die meisten HIV-infiziert sind.

Meldepflicht:
Eine Meldepflicht besteht derzeit nicht. Um einen Überblick über die Zahl der Infektionen in Deutschland zu bekommen, bittet das Robert Koch-Institut (RKI) aber um Meldung von Verdachts- und gesicherten Fällen (ohne Angaben zur Identität der Patienten).

Übertragung:
Die Übertragung erfolgt durch den Kontakt von genitaler oder rektaler Schleimhaut mit dem Erreger, vor allem beim ungeschützten Sex.

Prävention:
Kondome/Femidome (für jede Person ein neues) reduzieren das Übertragungsrisiko bei Analverkehr und Vaginalverkehr erheblich. Beim Fisten für jede gefistete Person einen neuen Handschuh verwenden, um die Erreger nicht von einem Anus auf den nächsten zu übertragen. Eine Impfung gegen Chlamydien gibt es nicht und ist in absehbarer Zeit auch nicht zu erwarten.

Inkubationszeit:
3-30 Tage, im Durchschnitt etwa zwei Wochen

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Nach wenigen Tagen bis zu einem Monat beginnt das erste Stadium der Erkrankung - ähnlich wie bei der Syphilis - mit einem in der Regel schmerzlosen Knoten oder Geschwür. Bei Befall der Scheide, des Rachens, der Harnröhre oder des Enddarms bleibt es häufig unbemerkt oder wird mit Hämorrhoiden, einer Analvenenthrombose, Herpes oder dem Primäraffekt einer Syphilis verwechselt.
Nach weiteren zwei bis sechs Wochen kommt es im zweiten Stadium zu einem deutlichen Krankheitsgefühl, z. T. auch zu Fieber. Bei Befall der Harnröhre kann es zu einer schmerzhaften Schwellung der Leistenlymphknoten kommen, die manchmal zu einer Beule (lateinisch "bubo") verschmelzen und sich unter Eiteraustritt öffnen. Bei Befall des Enddarms sind ausgeprägte Entzündungsreaktionen möglich. Anfangs tritt meist Verstopfung auf, später kommt es zu chronischen Durchfällen mit Abgang von Blut und Schleim. Typisch sind Darmkrämpfe, das Gefühl, den Stuhl nicht halten zu können, Stuhldrang und Schmerzen beim Stuhlgang; diese Symptome können mit denen chronischer Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) verwechselt werden. Die entstehenden Darmgeschwüre können außerordentlich schmerzhaft sein und bilden sich auch unter Therapie nur langsam zurück. Auch Fisteln können sich bilden, also Öffnungsgänge des Darms nach außen oder in die Scheide (rektovaginale Fistel).
Ohne Behandlung kann die Krankheit nach Monaten bis Jahren in ein drittes Stadium eintreten. Dabei staut sich durch Vernarbung und Verschluss der Lymphabflussbahnen die Lymphe in das Bein, die Genitalien oder den Analbereich zurück und führt zu einer massiven teigigen Schwellung der Beine (Elefantiasis) oder der Genitalien.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei Menschen mit unbehandelter HIV-Infektion verlaufen Chlamydien-Infektionen häufig schwerer. Außerdem erhöht sich bei Befall der Harnwege bzw. des Genitals oder des Enddarms die HIV-Konzentration in den genitalen oder rektalen Sekreten. Dadurch kann HIV leichter übertragen werden.
Durch die ausgeprägte Entzündung und die rektalen Blutungen ist bei ungeschütztem Analverkehr das Risiko hoch, HIV zu übertragen oder mit HIV infiziert zu werden.

Diagnose:
Die sicherste Methode zum Nachweis einer Infektion ist der Genomnachweis aus einem Hanröhren-, Rachen- oder Enddarm-Abstrich. In Deutschland können allerdings nur wenige Speziallabore die Diagnostik für die Chlamydien-Serotypen L1 - L3 durchführen (Adressen unter www.rki.de). Mittlerweile stehen auch Tests auf Antikörper von Chlamydien der Serogruppe L zur Verfügung; sie kommen infrage, wenn der Nukleinsäure-Test zu teuer ist und/oder eine größere Anzahl von Probanden getestet werden soll.

Therapie:
Mit einer in der Regel dreiwöchigen Antibiotika-Therapie lässt sich die Infektion gut behandeln. Bei Verwechslung mit einer "normalen" Chlamydien-Infektion, die nur eine Woche therapiert wird, kann es zu Rezidiven kommen.

sonstige Maßnahmen:
Bis zum Ende der antibiotischen Behandlung sollte auf Sex verzichtet werden, um die Infektion nicht weiterzugeben. Wichtig ist, die Sexpartner_innen der letzten Zeit zu informieren, damit auch diese sich gezielt auf LGV untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen können.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

© Centrum für Sexuelle Gesundheit Rostock & Neubrandenburg 2017