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Scabies
Skabies, Krätze, Krätzmilbenbefall

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Das Wichtigste in Kürze:
Die Krätze ist eine durch Milben hervorgerufene ansteckende Hautkrankheit, die sich in der Regel durch heftigen, vor allem nächtlichen Juckreiz bemerkbar macht.

Erreger:
Erreger der Scabies ist Sarcoptes scabiei varietas homini bzw. Sarcoptes scabiei scabiei, ein etwa 0,2 - 0,4 mm großes Spinnentier, das in den oberen Hautschichten des Menschen lebt und sich von Zellflüssigkeit, Lymphe und Hautzellen ernährt. Die Milbenweibchen graben Bohrgänge in die Hornschicht der Haut und legen dabei Kot und täglich ein bis drei Eier ab. Daraus schlüpfen nach wenigen Tagen Larven, die die Bohrgänge nach oben durchbohren, zur Hautoberfläche wandern und sich in etwa zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Milben entwickeln. Die Lebensdauer der Weibchen beträgt ungefähr 1 - 2 Monate, außerhalb des Wirts bei normalen Raumtemperaturen 1 - 4 Tage, bei feuchter Luft und 12°C sogar bis zu 14 Tage.

Reudemilbe
Foto: Wikipedia

Epidemiologie:
Die Krätzmilbe kommt weltweit vor und wird insbesondere in der Familie bzw. Wohngemeinschaft sowie in Gemeinschaftseinrichtungen schnell verbreitet (z. B. in Jugend- oder Altenheimen, Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern). Beengte Wohnverhältnisse und mangelnde Hygiene begünstigen die Infektion, doch tritt die Krätze bei Angehörigen aller sozialen Schichten und auch bei guter Hygiene auf. Genaue Zahlen über die Häufigkeit der Erkrankung gibt es nicht.

Meldepflicht:
Die individuelle Erkrankung ist nicht meldepflichtig; tritt die Krätze allerdings in Gemeinschaftseinrichtungen auf, muss das zuständige Gesundheitsamt benachrichtigt werden.

Übertragung:
Die Übertragung der Milben - in der Regel von begatteten Weibchen - erfolgt vor allem durch (mehrmaligen) direkten Körperkontakt, also auch beim Sex. Gelegentlich kann die Infektion auch durch gemeinsame Benutzung von Bett, Handtuch oder Kleidung oder über Gegenstände wie Plüschtiere, Thermometer oder Blutdruckmanschetten weitergegeben werden.

Prävention
Die Prävention ist schwierig, für eine Übertragung kann schon ein einziges Milbenweibchen ausreichen. Enger Körperkontakt mit Personen, die von Krätzmilben befallen sind, sollte vermieden werden (siehe "Sonstige Maßnahmen").

Inkubationszeit:
Bei Erstinfektion dauert es je nach Zahl der übertragenen Milben zwei bis sechs Wochen, bei jeder weiteren Infektion nur wenige Tage bis zum Auftreten von Symptomen.

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Nach durchschnittlich vier Wochen stellt sich vor allem nachts heftiger Juckreiz ein. Auf der Haut treten juckende Knötchen und Pusteln auf - vor allem an Stellen, an denen die Haut dünn und wo es warm ist. Typisch sind die Finger zwischenräume, die Handgelenke, die Umgebung der Brustwarzen, die Ellenbogen und Knie sowie die Leisten- und Genitalregion. Vereinzelt breitet sich der Ausschlag auch auf Arme, Achseln, Schenkel, Finger, Fußsohlen, Bauch und Rücken aus. Der Juckreiz geht in erster Linie auf eine allergische Reaktion gegen die Milbenausscheidungen und zerfallende Körper toter Milben zurück. Aufgekratzte Stellen können aber auch von weiteren Erregern besiedelt werden. Bei Menschen, die intensive Körperpflege betreiben, sind außer dem Juckreiz häufig keine oder kaum Hautveränderungen zu erkennen; man spricht hier von der "gepflegten" Scabies oder Scabies discreta. Eine besondere Form ist auch die "knotige Krätze" mit glatten, runden, festen, roten bis rotbraunen Knoten an Stellen mit dünner Haut, die in der Regel innerhalb von drei Monaten, in seltenen Fällen aber auch erst nach zwölf Monaten wieder verschwinden.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei Menschen mit Immunschwäche vermehren sich die Milben oft wesentlich stärker: Während bei leichtem Befall nur etwa 10 bis 50 Weibchen auf einem befallenen Körper leben, können es bei der "krustigen Scabies" (Scabies norvegica oder crustosa) Hunderttausende sein, wobei der Juckreiz manchmal nur schwach ausgeprägt ist. Diese schuppige/borkige Form der Krätze ist hoch ansteckend - zu einer Übertragung kann es schon durch kurzen Kontakt oder gemeinsam benutzte Gegenstände kommen.

Diagnose:
Nächtlicher Juckreiz ist häufig ein Hinweis auf Scabies; kommen die oben beschriebenen Hautveränderungen hinzu, ist die Diagnose sehr wahrscheinlich. Beweisend für eine Krätze ist der Fund von Milben oder Eiern; eine Laboruntersuchung auf Krätze gibt es nicht.

Therapie:
Der Krätzmilbenbefall wird mit chemischen Mitteln behandelt, die mit Ausnahme des Gesichts und des behaarten Kopfs auf die gesamte Haut aufgetragen werden. Bei Scabies norvegica müssen unter Umständen auch Kopfhaut, Gesicht und Nacken mitbehandelt werden. Je nach Mittel wird die äußerliche Therapie ein- bis zweimal wiederholt. Der Wirkstoff Ivermectin zur oralen Behandlung der Scabies ist seit 2016 auch in Deutschland zugelassen. Die Abheilung der Hautveränderungen kann auch bei erfolgreicher Therapie noch Tage oder Wochen dauern.

sonstige Maßnahmen:
Sexualpartner/innen und im selben Haushalt lebende Personen sollten, auch wenn sie keine Krankheitszeichen aufweisen, mitbehandelt werden. Es empfiehlt sich, die Leib- und Bettwäsche täglich zu wechseln und bei 60 °C zu waschen. Empfindliche Kleidung und andere Gegenstände wie Plüschtiere kann man für 14 Tage in einen Plastiksack geben, um die Milben "auszuhungern"; auch Einfrieren ist eine Möglichkeit. Möbel (Sofas, Stühle, Bett) und Teppiche mehrfach staubsaugen und/oder chemisch reinigen. Krätzekranke und -verdächtige dürfen so lange in Gemeinschaftseinrichtungen keine Tätigkeiten ausüben, bei denen sie Kontakt zu den dort Betreuten haben, bis eine Verbreitung der Krätze nach ärztlichem Urteil nicht mehr zu befürchten ist. Für Betreute mit Krätze oder Verdacht auf Krätze gilt Entsprechendes; sie dürfen in dieser Zeit keine Gemeinschaftseinrichtungen betreten bzw. nicht an Veranstaltungen dieser Einrichtungen teilnehmen.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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