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Shigellose
Bakterielle Ruhr, Bakterienruhr, Shigellenruhr, Shigellen-Dysenterie

Auf dieser Seite:
Erreger
Epidemiologie
Meldepflicht
Übertragung
Prävention
Inkubationszeit
Symptome / Verlauf / Auswirkungen
Diagnose
Therapie
Sonstige Maßnahmen

Das Wichtigste in Kürze:
Die hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser oder verschmutzte Nahrungsmittel übertragene Shigellenruhr ist eine vor allem in tropischen Ländern weit verbreitete Durchfallerkrankung (nicht zu verwechseln mit der Amöbiasis, also der Amöbenruhr).
In Industriestaaten ist die Krankheit selten, doch ist es in den letzten Jahren häufiger zu Ausbrüchen sexuell übertragener Infektionen unter schwulen Männern und anderen MSM gekommen.

Erreger:

Shigellen-Bakterien (z. B. Shigella dysenteriae, flexneri, boydii und sonnei) dringen in die obere Dickdarmschicht ein und können dort zu einer Entzündung führen; die von den Bakterien abgesonderten Zellgifte können Durchfälle verursachen.

Shigella boydii
Foto: de.academic.ru

Epidemiologie:
Die Shigellenruhr ist in Deutschland selten; etwa drei Viertel der Erkrankungen sind auf Auslandsaufenthalte zurückzuführen. Seit der Jahrtausendwende werden aber zunehmend sexuell übertragene Infektionen unter MSM beobachtet.

Meldepflicht:
Infektionen mit Shigellen sind namentlich meldepflichtig.

Übertragung:
Die Shigellenruhr wird - wie die meisten Durchfallerkrankungen, aber auch Hepatitis A - fäkal-oral übertragen, in erster Linie durch mit menschlichen Fäkalien verunreinigtes Wasser (auch über Badegewässer) oder Lebensmittel. Sexuell übertragen werden die Erreger vor allem bei oral-analen Kontakten, aber auch über den Weg Anus-Finger-Mund. Schmierinfektionen sind möglich, z. B. über Dildos, gemeinsam benutzte Gleitmitteltöpfe, Kondome, die beim Analverkehr verwendet wurden (nach dem Abrollen über die Finger in den Mund) oder von Enddarm zu End darm über gemeinsam benutzte Sexspielzeuge bzw. Kondome, die bei mehreren Partner_innen verwendet werden. Schon die Aufnahme weniger Keime kann zur Erkrankung führen.

Prävention
Dildos und Sexspielzeuge, die anal eingeführt werden, nach Gebrauch bzw. vor jedem Gebrauch bei einem neuen Partner oder Partnerin gründlich waschen und möglichst desinfizieren oder mit einem neuen Kondom versehen.

Inkubationszeit:
1 - 4 Tage

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Die Shigellenruhr beginnt typischerweise einen bis mehrere Tage nach Aufnahme des Erregers mit Durchfall, Bauchkrämpfen und Fieber, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. Schwere und Dauer der Erkrankung können aber von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Neben schwereren Fällen mit 10- bis 40-mal pro Tag auftretenden blutig-eitrig-schleimigen Durchfällen, die mit heftigen Krämpfen verbunden sind, gibt es auch Fälle, bei denen es lediglich zu wässrigem Durchfall kommt, oder symptomlose Verläufe (bei denen aber trotzdem Erreger ausgeschieden werden). Ohne Behandlung können die von den Erregern verursachten Geschwüre die Darmwand durchbrechen und zu einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung führen.

Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Bei Menschen mit Immunschwäche (z. B. bei unbehandelter HIV-Infektion), aber auch bei kleinen Kindern und alten Menschen kann die Shigellenruhr besonders schwer, zum Teil lebensbedrohlich verlaufen.

Nach etwa 1- 4 Wochen verschwinden die Erreger in der Regel spontan aus dem Stuhl, doch kann die Infektion auch chronisch werden. Die betroffenen Menschen scheiden dann - oft, ohne dass Symptome auftreten - über längere Zeit Shigellen mit dem Stuhl aus und stellen so für andere eine permanente Infektionsquelle dar.

Diagnose:
Die Diagnose wird durch Nachweis der Erreger im Stuhl gestellt. Bei länger anhaltenden blutigen Stühlen und schwerem Verlauf kann es sinnvoll sein, den Darm auf Geschwüre zu untersuchen.

Therapie:
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, bis in drei aufeinander folgenden, im Abstand von zwei Tagen genommenen Stuhlproben keine Erreger mehr nachgewiesen werden können (das dauert meist nur wenige Tage).

sonstige Maßnahmen:
Während der Therapie sollte peinlichst auf ausgiebiges Händewaschen geachtet werden, vor allem nach jedem Toilettengang und vor der Zubereitung von Mahlzeiten bzw. vor dem Essen.
Auf Sex, bei dem es zu Kontakt mit dem Anus kommt, sollte bis zum Nachweis des Verschwindens der Shigellen verzichtet werden.
Erkrankte dürfen, solange sie Shigellen ausscheiden, nicht in Gemeinschaftseinrichtungen, gastronomischen Einrichtungen und Lebensmittelbetrieben arbeiten.
Betreiber von Darkrooms und anderen Einrichtungen, die sexuelle Begegnungen ermöglichen, sollten Waschbecken und Spender zur Hände des infektion zur Verfügung stellen.
Whirlpools sollten ausreichend gechlort werden.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2017" der Deutschen AIDS-Hilfe.

 

 

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