Trichomoniasis
Trichomonaden-Infektion, Trichomonaden-Kolpitis (T.-Scheidenentzündung), Trichomonaden-Urethritis (T.-Harnröhrenentzündung)

Das Wichtigste in Kürze:
Die Trichomoniasis ist die häufigste sexuell über tragbare Infektion; die Erreger führen in erster Linie zu Schleimhautentzündungen des Urogenitaltrakts.
Betroffen sind vor allem Frauen. Mittels antiparasitärer Therapie heilt die Krankheit komplett aus.

Erreger:
Trichomonas vaginalis bzw. urogenitalis ist ein einzelliges Geißeltierchen, das zum Überleben ein feuchtes Milieu benötigt.

Trichomonas vaginalis
Foto: Wikipedia

Epidemiologie:
Die Trichomoniasis ist die häufigste sexuell übertragbare Krankheit; weltweit kommt es jährlich zu schätzungsweise 200 Millionen Infektionen. Betroffen sind vorwiegend Frauen, während Männer häufig symptomlose Überträger sind.

Meldepflicht:
nein

Übertragung:
Die Übertragung erfolgt in erster Linie durch vaginalen Geschlechtsverkehr, ferner durch Schmierinfektionen (z. B. über gemeinsam benutzte Sexspielzeuge oder beim Petting). Gelegentlich können Trichomonaden auch nichtsexuell übertragen werden, z. B. durch gemeinsam benutzte Hand tücher oder im Schwimmbad (in nicht chlorierten Thermalbädern können die Erreger bis zu fünf Stunden überleben). Infizierte Mütter können die Erreger außerdem während der Geburt auf das Neugeborene übertragen.

Prävention:
Kondome beim Vaginalverkehr reduzieren das Risiko einer Infektion erheblich. Allerdings können Trichomonaden leicht auch durch andere Sexualpraktiken übertragen werden.

Inkubationszeit:
wenige Tage bis vier Wochen

Symptome / Verlauf / Auswirkungen:
Frauen:
Bei ca. einem Viertel der betroffenen Frauen bleibt die Infektion dauerhaft symptomlos. In den anderen Fällen treten meist unspezifische Symptome wie vaginaler Juckreiz, Harndrang und Brennen beim Wasserlassen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auf. Typisch ist ein gelblich-grün licher, schaumiger, dünnflüssiger und übel riechender Ausfluss. Bei einem Aufsteigen der Erreger können entzündliche Verklebungen der Eileiter zu Unfruchtbarkeit führen; betroffen sein können auch die Nieren. Bei Schwangeren mit Trichomonaden-Infektion kommt es häufiger zu Komplikationen vor und während der Geburt (z. B. zu Frühgeburten).


Info im Zusammenhang mit HIV/Aids: Trichomonaden-Infektionen gehen häufig mit einer entzündlichen Veränderung des Gebärmutterhalses (Portio) einher. Dadurch wird die Schleimhautbarriere zerstört; außerdem wandern Immunzellen in die Schleimhaut ein und bieten ein Ziel für HIV: Das Risiko für eine HIV-Infektion ist erhöht.

Männer:
Bei Männern verlaufen Trichomonaden-Infektionen meist völlig asymptomatisch, sie sind somit häufig symptomlose Überträger. Manchmal treten
Symptome einer milden Harnröhrenentzündung auf (Ausfluss, Nässen und Brennen), auch Eichel und Vorhaut können betroffen sein. Selten kommt es zu einer aufsteigenden Infektion mit Besiedlung der Prostata oder Nebenhoden und chronischer Entzündung.

Diagnose:
Zur Feststellung einer Trichomoniasis wird frisches Sekret aus der Vagina oder der Harnröhre gewonnen und mikroskopisch untersucht; auch der Nachweis mittels Urinprobe ist möglich. Im mikroskopischen Präparat finden sich Eiter und sich bewegende Erreger. Durch Anlegen einer Kultur kann die Diagnose bestätigt und können Resistenzen gegen Antiprotozoenmittel geprüft werden, was vor allem bei wiederholten Infektionen bzw. Misserfolg der Therapie wichtig ist. Gleichzeitig mit einer Trichomoniasis können auch andere häufige STIs wie Gonorrhö oder eine Chlamydien-Infektion vorliegen.

Therapie:
Behandelt werden Trichomonaden-Infektionen mit oral verabreichten Antiprotozoenmitteln, entweder als Einmalgabe oder (bei Therapieversagen) über eine Woche. Bei Schwangeren kommen Vaginalzäpfchen mit Antiprotozoenmitteln zum Einsatz.

sonstige Maßnahmen:
Bis zum Abschluss der Behandlung sollte auf Vaginalverkehr verzichtet werden.
Um die gegenseitige Wiederansteckung zu vermeiden, sollten sich Sexualpartner auch bei fehlenden Symptomen mitbehandeln lassen.

Diese Informationen stammen aus der Broschüre "sexuell übertragbare infektionen 2013" der Deutschen AIDS-Hilfe.



 

 

   


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